„Um zu tun, was man möchte, braucht es mehr als nur den einen Weg, den man kennt, und sei er auch noch so gut.“ (M. Feldenkrais)
Leitbild:
Gemeinschaftlich wollen wir uns den Fragen und Aufgaben stellen, mit der uns eine krankheits- oder unfallbedingte plötzlich in unser Leben eingebrochene Aktivitätseinschränkung konfrontiert.
In Eigeninitiative wollen wir selbst Maßnahmen ergreifen, die uns Mut machen und unseren Aktionsradius erweitern. Wir wenden uns dem Leben zu, treten aus der sozialen Isolation eines Kranken heraus.
Pferde verfügen über ein hohes therapeutisch wirksames Potential, und sie stellen es uns zur Verfügung, einfach so, bei jedem Kontakt oder auch nur, wenn wir sie beobachten und über sie und ihr Verhalten sprechen. Wir nutzen in unserer Gruppe dieses Potential für viele, denn in ihren psychischen Grundbedürfnissen sind alle Menschen gleich: Sie brauchen stabile Bindungen, wollen verstanden und wertgeschätzt werden, wollen sich als Individuum verwirklichen. Im Umgang mit Pferden können Menschen die Erfüllung dieser elementaren Grundbedürfnisse erfahren und so selbst zu dem heil werden der eigenen Verletzungen ohne therapeutische Einflussnahme von außen beitragen.
Wir verbinden sportliche Betätigung in der Gruppe mit der
Erfahrung in einer sozialen Gemeinschaft und tragen bei zur Rückkehr in
die Gesellschaft nach Erkrankung oder Unfall.
Wir erfüllen eine wichtige sozialpolitische Aufgabe in dem großen
Bereich zwischen gesetzlich definierter Therapie und mildtätiger
Wohlfahrt.
„Gemeinsam neue Wege finden …“
… Wege zum sich selbst annehmen, sich gegenseitig annehmen, angenommen und getragen werden.
Über Reitenlernen lernen wir gleichzeitig neue Kommunikationswege,
neue Möglichkeiten, uns mit uns selbst, unserem Körper und mit unserer
Umwelt auseinanderzusetzen:
Über das Wort hinaus verständigen wir uns dabei mit der geistigen
Vorstellung von Bildern, über wechselseitiges Wahrnehmen und Bewirken
von Bewegung, durch Fühlen und sich Hineinversetzen in das Gegenüber,
über sich gegenseitig Gutes tun und gegenseitiges Verstehen kommen wir
zu einem harmonischen Miteinander.
Die drei „Mitspieler“ Reiter, Pferd und Ausbilder stellen dabei ein
Modell auch für andere Lebenssituationen dar — ganz besonders für die
Lernsituationen im Umgang miteinander und vor allem auch mit unserem
eigenen Körper, wenn wir ihn einmal als Gegenüber betrachten und
akzeptieren, gerade so wie reiten nur dann harmonisch und graziös
gelingt, wenn wir unser Pferd als Gegenüber achten und es dennoch dazu
bringen, unseren Willen umzusetzen — weil es dies versteht und annimmt
und nicht weil es dies gezwungenermaßen tun muss.
Wir sind manchmal durch einen Schicksalsschlag oder einfach so im
Laufe des Lebens in eine Situation gekommen, wo sich die Frage stellt,
will ich neue Wege gehen, die weniger beschwerlich sind.
Reiten mit Handicap stellt sich dieser Frage. In loser Folge erscheinen hier praktische und theoretische Resümees von abgelaufenen Gesprächen, Diskussionen und Erfahrungen aus Fortbildungen sowie Berichte über besondere Ereignisse.